AFIR-Daten- & Preistransparenz 2026: Was DATEX II für RFID und Roaming bedeutet
Bei den ersten AFIR-Fristen ging es um Zahlungsterminals. Die Richtlinien für April 2026 betreffen Daten: Standort, Verfügbarkeit und Preise jedes öffentlichen Ladepunkts müssen nun in einem Standardformat veröffentlicht werden. Erfahren Sie hier, was das DATEX II-Mandat und die Preistransparenzregeln für die RFID-Authentifizierung und die Roaming-Abrechnung verändern.

Die erste Welle der Umsetzung der Alternative Fuels Infrastructure Regulation (AFIR) in Europa war von Hardware geprägt: kontaktlose Kartenterminals, Ad-hoc-Zahlungen und die ISO 15118-Mandate, die die RFID-Authentifizierung beim Laden grundlegend verändert haben. Doch das Jahr 2026 brachte eine zweite, leisere Welle von Verpflichtungen mit sich, die ebenso weitreichend ist – und weitaus weniger Aufmerksamkeit erhält. Seit dem 14. April 2026 sind die AFIR-Anforderungen an Daten- und Preistransparenz in Kraft. Sie verändern, was Ladepunktbetreiber veröffentlichen müssen, wie Fahrer Preise vergleichen und wie Roaming und RFID-Abrechnung zu erfolgen haben. Dies ist der Teil der AFIR, bei dem es um Informationen geht, nicht um Hardware.
Das DATEX II-Mandat, einfach erklärt
Ab dem 14. April 2026 müssen Betreiber von öffentlich zugänglichen Ladepunkten einen definierten Datensatz in einem standardisierten, maschinenlesbaren Format – DATEX II – zur Verfügung stellen und diesen an nationale Zugangspunkte und zentrale Plattformen übermitteln. So können die Daten in Karten, Apps und Routenplaner in ganz Europa einfließen.
Zwei Arten von Daten sind hiervon betroffen. Statische Daten beschreiben den Standort, der sich nicht von Minute zu Minute ändert: die Position des Ladepunkts, die Steckertypen, die maximale Leistung und die Identität des Betreibers. Dynamische Daten betreffen den Live-Status: ob ein Anschluss verfügbar, belegt oder außer Betrieb ist, und – ganz entscheidend – den Preis. Das Ziel aus Sicht der Autofahrer ist simpel: Man öffnet eine beliebige App und sieht nicht nur, wo sich die Ladestationen befinden, sondern auch, welche gerade frei sind und was das Laden kosten wird, bevor man das Fahrzeug anschließt.
Für eine Branche, in der „zur Ladestation fahren und hoffen“ eine reale Planungsstrategie war, stellen standardisierte, gemeinsam nutzbare Verfügbarkeits- und Preisdaten eine strukturelle Verbesserung dar. Dies erhöht auch die Anforderungen an die Betreiber: Daten, die früher nur in der App eines einzelnen Betreibers existierten, müssen nun für alle transparent offengelegt werden.
Preistransparenz: Das Ende der überraschenden Rechnung
Die AFIR-Regeln zur Preistransparenz bekämpfen eines der hartnäckigsten Ärgernisse beim Laden von Elektrofahrzeugen: nicht zu wissen, was ein Ladevorgang kosten wird, bis die Quittung eintrifft. Beim Ad-hoc-Laden – dem Bezahlen vor Ort ohne Vertrag – muss der Preis pro kWh (oder pro relevanter Einheit) vor Beginn des Ladevorgangs klar und verfügbar sein. Der Fahrer muss in der Lage sein, im Vorfeld eine fundierte Entscheidung zu treffen, anstatt diese im Nachhinein mühsam rekonstruieren zu müssen.
Dies ist für den Bereich der Autorisierung und des Roamings von enormer Bedeutung, da das vertragsbasierte Laden – also die Welt der RFID-Karten und eMSP-Konten – anders funktioniert. Ein Fahrer, der eine Roaming-RFID-Karte nutzt, zahlt nach dem vorab vereinbarten Tarif seines Anbieters, der vom Ad-hoc-Preis der Ladestation abweichen kann. Die Transparenzoffensive der AFIR macht die Lücke zwischen Ad-hoc- und Vertragspreisen sichtbar. Dies schärft das Wertversprechen eines gut geführten RFID-Programms: Eine kalkulierbare, konsolidierte Abrechnung zu Vertragskonditionen ist ein Vorteil, den Fahrer nun tatsächlich sehen und mit den Alternativen vergleichen können.
Warum RFID und Roaming an Bedeutung gewinnen, nicht verlieren
Es ist verlockend, jede AFIR-Transparenzregel als Impuls in Richtung app-basierter, kontaktloser Ad-hoc-Kartenzahlung zu interpretieren – und weg von RFID. Für die Anwendungsfälle, in denen RFID seine Stärken am besten ausspielt, ist das Gegenteil der Fall. Transparenzregeln verbessern das öffentliche, spontane Ladeerlebnis, aber sie ersetzen nicht den Bedarf an einer verwalteten Authentifizierung im Kontext von Flotten, Arbeitsplätzen und Vertragsfahrern.
Ein Flottenbetreiber möchte nicht, dass jeder Fahrer Ad-hoc-Preise mit einer persönlichen Karte bezahlt und anschließend Spesenabrechnungen einreicht. Er möchte, dass jeder Ladevorgang über ein verwaltetes Medium authentifiziert, zu einem ausgehandelten Tarif abgerechnet und in einer einzigen Rechnung mit lückenlosem Prüfpfad konsolidiert wird. Die AFIR-Datenregeln stärken dieses Modell sogar: Da standardisierte Verfügbarkeits- und Preisdaten netzübergreifend fließen, kann ein eMSP Fahrer intelligenter leiten und Ladevorgänge mit den veröffentlichten Preisen abgleichen, während die RFID-Karte die einfache, zuverlässige Methode bleibt, um jeden Ladevorgang dem richtigen Konto zuzuordnen. Roaming-Plattformen, die diese Daten austauschen – dieselbe Infrastruktur, die es ermöglicht, dass eine Karte in vielen Netzen authentifiziert wird –, gewinnen an Wert, da die von ihnen übertragenen Daten reichhaltiger und standardisierter werden.
Der Horizont 2027: ISO 15118-20 und bidirektionales Laden
Der Zeitplan der AFIR endet nicht im Jahr 2026. Der nächste wichtige Meilenstein ist der 1. Januar 2027, wenn der fortschrittlichere Standard ISO 15118-20 für neue oder wesentlich modernisierte, öffentlich zugängliche Ladepunkte verpflichtend wird. Während die frühere ISO 15118-2 das zertifikatsbasierte Plug and Charge ermöglichte, fügt die Revision -20 eine reichhaltigere Kommunikation und, was besonders wichtig ist, die Unterstützung für bidirektionalen Stromtransfer hinzu – das Fundament für Vehicle-to-Grid-Dienste, bei denen ein geparktes Elektrofahrzeug Energie zurück in das Netz speisen kann.
Für Betreiber und eMSPs besteht die praktische Konsequenz darin, die Daten- und Transparenzinitiativen von 2026 und das Protokoll-Upgrade von 2027 als eine kontinuierliche Roadmap zu betrachten und nicht als separate, hektische Einzelprojekte. Authentifizierungsstrategie, Abrechnungssysteme und Datenveröffentlichung müssen in einer Ladepark-Flotte koexistieren, die über Jahre hinweg mehrere Hardware-Generationen umfassen wird. Ein mehrschichtiger Ansatz – Plug and Charge für kompatible Fahrzeuge, kontaktlose Zahlung für den öffentlichen Ad-hoc-Zugang und RFID-Karten für Flotten- und Vertragskunden – bleibt die zukunftssichere Antwort, nun untermauert durch transparente, standardisierte Datenströme.
Was Betreiber jetzt tun sollten
Die Transparenzregeln für 2026 belohnen Betreiber, die Daten als geschäftskritisches Produkt behandeln. Veröffentlichen Sie statische und dynamische Daten – einschließlich des Preises – in DATEX II an den relevanten nationalen Zugangspunkt und behandeln Sie diesen Datenfeed als produktive Infrastruktur, nicht als lästige Compliance-Pflicht. Sorgen Sie dafür, dass Ad-hoc-Preise vor Beginn eines Ladevorgangs absolut transparent sind. Und halten Sie das vertragsbasierte RFID- und Roaming-Erlebnis auf hohem Niveau, denn transparente Preise machen die Planbarkeit eines verwalteten Autorisierungsmediums für Flotten- und Geschäftskunden erst richtig greifbar.
Im ersten Kapitel der AFIR ging es darum, jedem das Bezahlen an jeder Ladestation zu ermöglichen. Im Kapitel 2026 geht es darum, jeden sehen zu lassen, was verfügbar ist und was es kostet. Für RFID und Roaming – die Werkzeuge des verwalteten, vertragsbasierten Ladens – ist diese Sichtbarkeit keine Bedrohung. Sie ist der Rahmen, der ein gut geführtes Autorisierungsprogramm erst richtig zur Geltung bringt.
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