Glossar EV-Laden & RFID
Klare Referenz für die Protokolle, Rollen und Normen, die bei der Planung eines RFID-Ladekarten-Programms auftauchen — OCPP, OCPI, ISO 15118, die Roaming-Hubs und die Regulierung, die den Rollout 2026 treibt.
Ladeprotokolle
- OCPP 1.6— Open Charge Point Protocol 1.6
- Offener Standard zur Kommunikation zwischen EV-Ladestationen und einem zentralen Managementsystem. OCPP 1.6J (JSON über WebSocket) ist die De-facto-Basis öffentlicher Ladeinfrastruktur weltweit.
- Authorize, StartTransaction, MeterValues und StopTransaction sind die Kernbotschaften. RFID-Karten übergeben einen idTag am Ladepunkt; die Station leitet diesen zur Autorisierung an das CSMS weiter.
- OCPP 2.0.1
- Aktuelle OCPP-Generation mit Smart Charging, ISO-15118-Hooks, Sicherheitserweiterungen und verbessertem Device-Management. Für viele Rollouts ab 2026 unter AFIR verpflichtend.
- Rückwärtskompatibel zu 1.6 für die Kernflows. Ergänzt Gerätesicherheitsprofile (1–3), Transaktionsereignis-Reports und Plug & Charge-Unterstützung.
- OCPI— Open Charge Point Interface
- Protokoll für Roaming zwischen eMSPs und CPOs. Lässt eine Karte oder App eines Fahrers über mehrere Netzwerke hinweg funktionieren.
- Aktuell Version 2.2.1, Version 3.0 in Entwicklung. Hubject und Gireve sind die dominanten Roaming-Hubs, die OCPI auf ihren eigenen Peer-to-Peer-Protokollen aufsetzen.
- ISO 15118
- Kommunikationsstandard Fahrzeug-zu-Netz. Ermöglicht Plug & Charge: das EV authentifiziert sich direkt an der Ladestation über das Ladekabel, ohne Karte oder App.
- ISO 15118-2 (aktuell produktiv) definiert sichere XML-über-PLC-Kommunikation. ISO 15118-20 ergänzt drahtlose und bidirektionale V2G-Funktionen.
- Plug & Charge— PnC
- Authentifizierungsfluss aus ISO 15118, bei dem sich das Fahrzeug direkt an der Ladestation authentisiert. Keine Karte, keine App — einstecken, laden.
- Lange als RFID-Killer angekündigt, aber der reale Rollout verläuft langsam. RFID bleibt essenziell für Fahrzeuge ohne Plug & Charge, öffentliche Fahrerauthentifizierung und Flottenmanagement. Viele Netzwerke betreiben PnC und RFID parallel.
- AFIR— Alternative Fuels Infrastructure Regulation
- EU-Verordnung ab 2026, die Ad-hoc-Zahlung, transparente Tarife und OCPI-Roaming an allen neuen öffentlichen Ladern über 50 kW vorschreibt. Treibt RFID- und Kontaktlos-Anforderungen EU-weit.
- Eichrecht
- Deutsche Eichgesetzgebung, die manipulationssichere Energiemessung und signierte Messwerte an öffentlichen Ladepunkten vorschreibt. Gilt für alle, die in Deutschland pro kWh abrechnen.
- Beeinflusst RFID-Nutzung: viele deutsche Netzwerke verlangen, dass der idTag kryptografisch an den signierten Messdatensatz gebunden ist, um rechtskonform abzurechnen.
- CSMS— Charging Station Management System
- Cloud-Backend, das einen Park von Ladepunkten verwaltet: Autorisierung, Abrechnung, Roaming, Monitoring, Firmware. Beispiele: AMPECO, EV.energy, Driivz, Has·To·Be, ChargeLab.
Roaming & E-Mobility-Ökosystem
- CPO— Charge Point Operator
- Unternehmen, das Ladestationen betreibt. Erlös pro kWh oder pro Sitzung. Beispiele: Allego, Fastned, EVgo, Tesla Supercharger, BP Pulse.
- eMSP— e-Mobility Service Provider
- Unternehmen, das RFID-Karten oder Apps an EV-Fahrer ausgibt und sie abrechnet, unabhängig vom CPO-Netzwerk. Beispiele: Shell Recharge, ChargePoint, Hubject MSP, Maingau, NewMotion.
- Hubject
- Europäischer Roaming-Hub, der hunderte CPOs und eMSPs über das OICP-Protokoll verbindet. Eine Karte eines eMSPs funktioniert an jedem CPO, der ans intercharge-Netzwerk angeschlossen ist.
- Gireve
- Französischer Roaming-Hub, aktiv in Europa, Nordamerika und Asien. Implementiert OCPI-basiertes Settlement und Discovery für netzwerkübergreifendes Laden.
- OICP— Open InterCharge Protocol
- Hubjects proprietäres Roaming-Protokoll. Wird zu/von OCPI übersetzt, um mit Nicht-Hubject-Hubs interoperabel zu sein.
- idTag
- Zeichenkette, die eine OCPP-Ladestation beim Kartenkontakt an das CSMS sendet. Meist aus der UID der RFID-Karte abgeleitet, optional mit Präfix oder Padding.
- Das Format zählt: viele CSMS-Plattformen erwarten eine bestimmte Codierung (dezimal vs. hex, Länge, Padding). ChargeRFID kodiert idTags vor, passend zu Ihrem CSMS.
- eMAID— e-Mobility Account Identifier
- Weltweit eindeutiger Identifikator für einen Vertrag zwischen Fahrer und eMSP. Wird in ISO 15118 Plug & Charge genutzt, um das Fahrzeug an das richtige Abrechnungskonto zu binden.
- EVCO-ID
- Ältere Entsprechung der eMAID — identifiziert den Vertragsinhaber in OCPI-Roaming-Flows. Format: Ländercode + Provider-ID + Sequenz.
- EVSE— Electric Vehicle Supply Equipment
- Branchenbegriff für eine Ladestation bzw. einzelne Ladekupplung. Ein Ladeschrank kann mehrere EVSEs enthalten.
Ladehardware
- AC-Laden— Level 1 / Level 2
- Wechselstromladen, bei dem das fahrzeuginterne Ladegerät die AC-zu-DC-Wandlung übernimmt. Typische Leistungen 3,7 kW (Level 1, ~16 A) bis 22 kW (Level 2, 32 A dreiphasig).
- Dominant zuhause, am Arbeitsplatz und beim Destination-Charging. Die geringere Geschwindigkeit erfordert lange Standzeiten — daher sind RFID + Reservierungssysteme wichtig.
- DC-Schnellladen— Level 3, Rapid Charging
- Gleichstromladen, das den fahrzeuginternen Lader umgeht und 50–350+ kW direkt in die Batterie liefert. Eingesetzt an Autobahn-Korridoren und urbanen Hubs.
- Premium-Preise und kürzere Sitzungen; pro-Sitzung-Authentifizierung via RFID, App oder Plug & Charge ist entscheidend. Manche Netzwerke nutzen AutoCharge (Fahrzeug-MAC-Adresse) als Übergangsalternative zu Plug & Charge.
- CCS— Combined Charging System
- Dominanter DC-Schnellladestecker in Europa (CCS Combo 2) und Nordamerika (CCS Combo 1). Heute bis 350 kW, spezifiziert bis 500 kW.
- CHAdeMO
- DC-Schnellladestecker mit japanischem Ursprung. Einst weit verbreitet, außerhalb Japans rückläufig wegen Dominanz von CCS und NACS.
- Typ 2— Mennekes, IEC 62196-2
- Europäischer AC-Ladestecker. Standard für öffentliche AC-Lader in der EU, zunehmend auch im UK und anderen Märkten.
- NACS— North American Charging Standard, Tesla-Stecker
- Von Tesla eingeführter Stecker, mittlerweile von den meisten US-Automobilherstellern übernommen und im Begriff, sich neben CCS als nordamerikanischer DC-Standard zu etablieren.
RFID-Technologie
- ISO 14443A
- Internationale Norm für 13,56-MHz-Kontaktlos-Smartcards. Die dominante Norm für RFID-Ladekarten.
- Alle MIFARE DESFire-, NTAG- und kompatible Chips laufen auf ISO 14443A. Leseabstand 0–10 cm.
- NFC— Near Field Communication
- Drahtloses Kurzreichweitenprotokoll (≤4 cm), das ISO 14443 erweitert. Ermöglicht Tap-to-pay-ähnliche Flows mit Karten oder Smartphones.
- MIFARE DESFire EV2 / EV3
- Hochsichere Kontaktlos-Chipfamilie von NXP mit AES-128-Verschlüsselung und gegenseitiger Authentifizierung. Standard für neue RFID-Ladekarten.
- Ersetzt das mittlerweile gebrochene MIFARE Classic. Jede Karte trägt mehrere Anwendungen (Authentifizierung, Abrechnung, Loyalty) mit getrennten kryptografischen Schlüsseln.
- AES-128
- Advanced Encryption Standard mit 128-Bit-Schlüssel — die Verschlüsselung in MIFARE DESFire EV2/EV3.
- Kombiniert mit gegenseitiger Authentifizierung macht AES-128 jeden Karten-Tap zu einer kryptografisch signierten Transaktion. Klonresistenz ist kryptografisch, nicht auf Geheimhaltung gestützt.
- UID— Unique Identifier
- Werkseitig festgelegte Seriennummer auf jedem RFID-Chip. Wird vor der Authentifizierung im Klartext gesendet. Häufig zur Ableitung des über OCPP gesendeten idTag genutzt.
- Anti-Klonen
- Kryptografische Eigenschaft von AES-128-Chips: jeder Karten-Tap beinhaltet eine neue Challenge-Response, sodass eine aufgezeichnete Interaktion nicht erneut abgespielt werden kann.
- AutoCharge
- Netzwerk-spezifische Übergangsalternative zu ISO 15118 Plug & Charge. Verwendet die MAC-Adresse des Fahrzeugs (sichtbar im Lade-Handshake) als Identität. Weniger sicher als ISO 15118, funktioniert aber ohne Zertifikatsbereitstellung.
Branchen-Rollen & Abrechnung
- Flottenbetreiber
- Eigentümer einer EV-Flotte — Versorger, Letzte-Meile-Lieferung, Mitfahrdienste, Taxis, Firmenwagenprogramme. Kauft RFID-Karten in großen Mengen und verteilt sie pro Fahrer oder Fahrzeug.
- MSP / EMP— Mobility Service Provider / E-Mobility Provider
- Oberbegriff für jeden, der Credentials ausgibt und EV-Fahrer abrechnet. Umfasst eMSPs sowie Versorger-Mobilitätsangebote.
- Abrechnung pro kWh
- Ladesitzung wird nach gelieferter Energie abgerechnet (€ oder $ pro kWh). Dominantes Modell in Europa und in vielen US-Bundesstaaten. Erfordert oft eichrechtskonforme Messung.
- Pro Sitzung / zeitbasierte Abrechnung
- Ladesitzung pauschal pro Sitzung oder pro Minute. Seltener bei AC, gelegentlich bei DC-Schnellladen, um Belegung nach Vollladen zu vermeiden.
Materialien & Nachhaltigkeit
- Recycling-PVC
- Post-Consumer- oder Post-Industrial-PVC, neu extrudiert zu Kartenmaterial. Gleiche Haltbarkeit und Chip-Einbettungseigenschaften wie Neu-PVC, geringerer CO₂-Fußabdruck.
- PLA / Bio-Karten— Polylactid, biologisch abbaubares Plastik
- Pflanzenbasiertes, biologisch abbaubares Kunststoffmaterial als Alternative zu PVC. Industriell kompostierbar. Gleiche RFID-Leistung.
- FSC-zertifiziertes Holz— Forest Stewardship Council
- Holz aus zertifizierter nachhaltiger Forstwirtschaft. Für Premium-Ladekarten — typischerweise Walnuss, Bambus oder Buche. Lasergraviert für Branding.
Normen & Zertifizierungen
- ISO 9001
- Internationale Qualitätsmanagementnorm. ISO 9001-zertifizierte Hersteller folgen einem dokumentierten, geprüften Qualitätsprozess. ChargeRFID ist ISO 9001-zertifiziert.
- CE-Kennzeichnung
- Europäische Konformitätskennzeichnung. Erforderlich für in der EU/EWR verkaufte RFID-Produkte. Zeigt Konformität mit anwendbaren Gesundheits-, Sicherheits- und Umweltrichtlinien.
- MOQ— Mindestbestellmenge
- Kleinste Menge, die ein Hersteller in einem Lauf produziert. ChargeRFIDs Standard-MOQ beträgt 500 Karten.
Die richtige Ladekarte wählen
Für neue Einsätze 2026 ist die praktische Shortlist:
- OCPP RFID-Karten — wenn Sie Karten brauchen, die ab Werk an jedem OCPP-konformen Ladepunkt funktionieren, mit individueller idTag-Codierung für Ihr CSMS.
- Flotten-Ladekarten — Multi-Netzwerk-Roaming via Hubject/Gireve, fahrer- oder fahrzeugspezifische Codierung für Versorger-, Liefer- und Firmen-EV-Flotten.
- Eco-Materialien — Recycling-PVC, PLA-Bio oder FSC-zertifiziertes Holz, wenn Nachhaltigkeit Markenversprechen ist.